VfL Gummersbach – THW Kiel 22:29 (14:15)
11.03.2010 - 09:38 Uhr - Gummersbach. Der Gast hatte den Anwurf – und sogleich fühlten sich die VfL-Fans an das Hamburg-Spiel vor Wochenfrist erinnert, weil die blau-weiße Verteidigung gleich wieder im 3:3-Abwehrsystem postierte. Christian Sprenger ließ sich jedoch nicht beirren und traf zum 0:1. Die ersten beiden VfL-Angriffe blieben erfolglos: Christoph Schindler und Adrian Wagner konnten THW-Keeper Omeyer nicht überwinden.
Doch auch Goran Stojanovic zeigte zwei Paraden, so dass der VfL schon eine Überzahlsituation (Drago Vukovic musste auf die Bank) brauchte, um das 2:0 zu erzielen. Der deutsche Meister ließ sich anders als im Pokalspiel vor vier Wochen nicht überraschen und spielte eine 3:0-Serie. Vedran Zrnic erzielte das erste Tor für den VfL, doch der THW legte wieder nach: Als Aron Palmarsson das 1:5 erzielte, nahm Sead Hasanefendic eine Auszeit – bisher war der VfL-Offensive noch nicht viel gegen die Kieler Verteidigung eingefallen.
Nach zwei strittigen Entscheidungen des Schiedsrichterduos Lars Geipel und Marcus Helbig gegen den VfL traf erneut der Gast: Jicha netzte zum 1:6 ein. Der VfL agierte nervös, nach zehn Minuten hatte die Heimmannschaft nur ein Tor erzielt. Immerhin traf Vedran in der 11. Minute per Siebenmeter zum 2:6-Anschluss, Jicha war vorher für zwei Minuten auf die Bank geschickt worden. Christoph Schindler erzielte das 3:6 und gleich darauf das 4:6 – der VfL war wieder im Spiel. Kiel traf, doch nach einem Rückraumhammer von Adrian Pfahl und einem Tor von Drago Vukovic hatte der VfL auf ein Tor verkürzt (6:7) – THW-Trainer zog die grüne Karte und brachte Daniel Narcisse. Das 6:8 erzielte allerdings der Kieler Rückraum-Shooter Filip Jicha (15. Minute). Marcus Ahlm brachte seine Farben mit dem 7:10 wieder mit drei Toren in Front, Jicha baute per Siebenmeter die Führung gar auf vier Tore aus (19. Minute).
Der THW nutzte jeden Fehler der Oberbergischen und zeigte sich hochkonzentriert, solche ein kapitaler Ausrutscher wie im Pokalviertelfinale wollte sich der Branchenprimus nicht noch einmal gefallen lassen. Nach einem Schulterwurf gegen Robert Gunnarsson musste Christian Sprenger auf die Bank, der VfL nutzt die Überzahl und spielte eine 3:0-Serie: Christoph Schindler, Drago Vukovic und Adrian Pfahl brachten die Oberbergischen wieder auf 10:11 heran.
Der VfL blieb dran, wenn der THW traf, traf auch der VfL. Nach 25 Minuten zeigte der Hallenwürfel ein 13:14. Christoph Schindler bekam zwei Minuten Strafe aufgebrummt, doch der THW scheiterte gleich dreimal am stark reagierenden Goran Stojanovic. Aus nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen wurde Viktor Szilagyi auf die Bank geschickt, doch trotz Unterzahl erzielte Adrian Pfahl das letzte Tor in Halbzeit eins: Der Halbrechte markierte das 14:15.
Der VfL hatte den Anwurf, musste aber die ersten 40 Sekunden in Halbzeit zwei mit einem Spieler weniger auskommen. Auf beiden Seiten passierte nichts, es dauerte zwei Minuten, ehe Adrian Pfahl mit einem platzierten Schuss ins Eck den Ausgleich schaffte – 15:15. Jicha brachte den deutschen Meister aus sieben Metern wieder in Front, doch der VfL verpasste trotz Überzahl – Narcisse musste nach Foul an Vukovic auf die Bank –, den erneuten Gleichstand zu besorgen. Der THW traf durch Dominik Klein, dazu musste Vedran Zrnic auf die Bank: 15:17/40. Minute. Der VfL hatte wie schon in Halbzeit eins, große Probleme ins Spiel zu kommen. Kleine Ungenauigkeiten mischten sich ein, der THW führte nach 41. Minuten mit 16:19 – und erneut musste mit Geoffroy Krantz ein VfL-Spieler für zwei Minuten auf die Bank. Vedran Zrnic düpierte Omeyer mit einem Siebenmeter-Heber und verkürzte auf 17:19. Die Unterzahl verstrich ohne Gegentor. Nun wurde Ahlm von dem Schirigespann auf die Bank geschickt und nur 20 Sekunden später folgte ihm Kim Andersson. Vedran Zrnic hatte die Möglichkeit, auf ein Tor zu verkürzen, doch er scheiterte mit seinem Siebenmeter an Omeyer. Gegen nur vier Kieler Feldspieler zeigten die Blau-Weißen plötzlich Nerven: Ein Ballverluste nutzte Klein zum 17:20, Adrian Wagner verwarf – dem VfL gelang in doppelter Unterzahl kein Tor. Die Schwächephase spiegelte sich auch im Ergebnis wider, Kiel zog auf 17:22 davon/48. Minute. Der VfL hatte scheinbar nichts mehr hinzuzusetzen. Nach 50 Minuten traf erneut Jicha zum 18:24, immerhin war Jörg Lützelberger das Glück hold, als sein Wurf vom Innenpfosten zum 19:24 ins Netz prallte. Doch das große Aufbäumen fand nicht mehr statt, an diesem Tag war der THW nicht zu knacken – auch weil die Chancenverwertung einfach zu schwach war. In Halbzeit zwei vernagelte Omeyer das THW-Tor, der französische Nationaltorwart entnervte die VfL-Angreifer. Der deutsche Meister rächte sich für die Pokalniederlage und gewann das Spiel gegen den VfL mit 22:29.
Stimmen:
Alfred Gislason: Wir haben heute alles besser gemacht, als im Pokalspiel vor vier Wochen. Trotzdem war es ein schweres Stück Arbeit. Wir haben die Nerven behalten und waren sehr beweglich. Wir haben die Aufgabe heute, auf jeden Fall besser gelöst, als Hamburg in der vergangenen Woche. Wir haben heute verdient gewonnen, trotzdem gratuliere ich Sead und der VfL-Mannschaft für die großartige Arbeit der vergangenen Monate. Ich drücke euch die Daumen für das Final Four.
Sead Hasanefendic: Kiel war heute die bessere Mannschaft, der Sieg geht völlig in Ordnung. Wir haben im Angriff zu ängstlich gespielt. Trotzdem bin ich mit der ersten Halbzeit noch zufrieden, da haben wir eine kämpferisch gute Leistung gezeigt. In der zweiten Halbzeit hatten wir fast zwei Minuten eine doppelte Überzahl und haben das nicht genutzt, da haben wir klare Chancen vergeben. Kiel bekam dann Sicherheit und hat sich dann schnell einen Vorsprung erspielt, da konnten wir nicht mehr gegenhalten. Mir fehlte bei meinen Spielern ein wenig das Feuer, das wir noch gegen Hamburg hatten. Da war der letzte Wille nicht da. Ich mache ihnen aber keinen Vorwurf, sie haben in den vergangenen Wochen viel geleistet, solch außergewöhnliche Leistungen sind nicht immer möglich.
Tore VfL: Krantz 1, Schindler 3, Vukovic 4, Lützelberger 1, Gunnarsson 2, Szilagyi 2, Pfahl 5/1, Zrnic 7/3
Zuschauer: 9053

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